Recruiting: Aktiv suchen und überzeugen

Montag, 25. Januar 2021
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Wer heute Top-Talente finden will, muss sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren und auf den richtigen Kanälen suchen. Aktuelle Empfehlungen für Recruiter.

Zunächst sollte für die relevante Zielgruppe ein idealer Mix aus Rekrutierungsstrategien bestimmt werden, sagt Katharina Hain, Senior Department Manager beim Personaldienstleister Hays. Dies könne etwa ein Ansatz aus Active Sourcing, klassischen Stellenausschreibungen und Employer-Branding-Massnahmen sein. «Zudem setzen Unternehmen weiterhin auf Jobboards und verwenden neben den klassischen Online-Stellenausschreibungen auch ­Videostellenpostings, etwa über VideoMyJob», sagt Hain. Auch Martina Ruiß, Head of Talent beim HR-Software-Anbieter Personio, setzt auf eine zielgruppenorientierte Suchstrategie: «Insbesondere bei Einstiegs­positionen, für die keine speziellen Vorkenntnisse nötig sind, geht es darum, die Kandidaten vom Unternehmen zu überzeugen.» Dafür gelte es eine starke Arbeitgebermarke aufzubauen und dort präsent zu sein, wo sich die Talente aufhalten, etwa in Social Media, aber auch offline. «Kandidaten mit spezieller Vorerfahrung sprechen wir dagegen vor allem aktiv an», sagt Ruiß, «auf LinkedIn, aber auch spezialisierteren Plattformen wie zum Beispiel Stack Overflow.»

Kandidaten direkt ansprechen

Neben dem klassischen Recruiting  gewinnt Active Sourcing an Bedeutung. Darunter versteht man die Direktansprache des Kandidaten über Karrierenetzwerke, (digitale) Personalmessen oder Talent-Pools. Etwa eine von sieben Vakanzen wird laut Monster Recruiting Trends 2020 auf diese Weise vergeben. «Weiter auf dem Vormarsch als Kanäle für Active Sourcing sind Social Networks wie LinkedIn oder Xing», sagt Personalexpertin Hain. Digitale Netzwerktreffen oder das Campus-Recruiting böten dagegen «eine tolle Möglichkeit, um sich neben der fachlichen Eignung der Kandidaten auch ein gutes Bild von deren sozialen Kompetenzen zu machen.» Bei der Art der Bewerbung spielen mobile Anwendungen laut Monster nur eine geringe Rolle. Für die Zukunft wird jedoch eine stärkere Nutzung erwartet, etwa weil Kandidaten dadurch Zeit sparen, sich «on the go» bewerben und so mehr Unternehmen adressieren können als über Desktop-Computer und Papier.

Ohne Strategie geht nichts

Wichtig für den Erfolg von Recruiting-Massnahmen ist eine umfassende Strategie, die auf das Unternehmen, die Branche und die jeweilige(n) Zielgruppe(n) abgestimmt ist, etwa die Auswahl der richtigen Stellenbörsen oder die Wahl bestimmter Bewerbungswege. «Ohne Personalstrategie geht nichts», sagt Martina Ruiß von Personio. «Man muss wissen, wohin man will und welche Mitarbeiter man dafür wann und wo braucht.» Entsprechend erfasste Daten könnten hier helfen: Über welche Kanäle finden wir die meisten neuen Mitarbeiter? Wo ist die Fluktuation besonders hoch? Unabdingbar sei zudem Transparenz, sagt Ruiß. «Um die Mitarbeiter hinter der Firma zu vereinen, benötigt man eine klare Kommunikation.» Wie wichtig Offenheit und Transparenz sind, zeigt sich auch in der wachsenden Bedeutung von Empfehlungen. Laut Monster Recruiting Trends entlohnen etwa sechzig Prozent der für die Studie befragten deutschen «Top-1000-Unternehmen» Mitarbeiterempfehlungen, die zu einer Einstellung führen, durch Geld- oder Sachwerte. Einen Schritt weiter gehen sogenannte Jobbotschafter-Programme, die dafür sorgen sollen, dass Mitarbeiter aus allen Fachbereichen in Kontakt mit potenziellen Bewerbern kommen. Als «Corporate Influencer» geben sie ihre Erfahrungen im Unternehmen an Kandidaten weiter – ungefiltert, ­authentisch und absolut im Trend.

 

Rossmann auf Platz 54 der «Weltbesten Arbeitgeber»

Die Drogeriemarktkette Rossmann steht auf Platz 54 der «World’s Best Employers» 2020. Das Ranking wird alle vier Jahre vom Wirtschaftsmagazin «Forbes» und dem Marktforschungsunternehmen Statista herausgegeben. Dabei erreichte Rossmann  die beste Platzierung als deutscher Einzelhändler. Platz 75 ging an dm, die Rewe Group erreichte Rang 110 und Aldi Nord den Platz 165.

In das Ergebnis flossen die Stimmen von von mehr als 160 000 Mitarbeitern aus 58 Ländern ein. Sie bewerteten ihre Arbeitgeber nach unterschiedlichen Kriterien wie Image, wirtschaftlicher Fussabdruck, Talentförderung, Gleichstellung der Geschlechter, soziale Verantwortung und die Position im Vergleich zu Mitbewerbern derselben Branche, aber auch den Umgang des Unternehmens mit COVID-19. Die 750 Unternehmen mit den höchsten Gesamtpunktzahlen schafften es auf die endgültige Liste. Der erste Platz ging 2020 an Samsung, Platz zwei an Amazon und Platz drei an IBM.

Kununu & Co.: Wie Arbeitgeber-Bewertungsportale den Bewerbungsmarkt beeinflussen

Ob kununu.com, jobvoting.de, glassdoor.de oder meinchef.de: Online-Portale, auf denen Mitarbeiter Unternehmen bewerten können, gewinnen beim Recruiting an Bedeutung. Das zeigen Ergebnisse einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Danach lesen 36 Prozent der Internetnutzer Bewertungen zu Arbeitgebern im Netz. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 52 Prozent. Zudem hat jeder vierte Internetnutzer online schon einmal seinen Arbeitgeber bewertet. «Online-Rezensionen spielen in der Arbeitswelt genauso wie in anderen Bereichen – etwa bei Produkten, Hotels oder Dienstleistungen – eine immer grössere Rolle», sagt Bitkom-Expertin Juliane Petrich. Arbeitgeber sollten die Bewertungen daher ernst nehmen und die Chance nutzen, die Erwartungen der Arbeitnehmer an das Unternehmen besser kennenzulernen und sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Auch ob und wie ein Arbeitgeber auf Bewertungen reagiere, könne sehr zum Image der Firma beitragen, sagt Petrich. «Für viele Bewerbungswillige sind Online-Bewertungen die erste Visitenkarte eines Arbeitgebers.»

Die Bewertung auf den Portalen entscheidet auch darüber, ob sich Kandidaten überhaupt bewerben. Laut Bitkom wurden 84 Prozent der wechselwilligen Interessenten durch die Online-Bewertung in ihrer Entscheidung schon beeinflusst. 46 Prozent der Befragten fühlten sich dabei in ihrer Entscheidung für ein Unternehmen bestärkt, während sich 54 Prozent danach gegen das Unternehmen entschieden.

 

Daten & Fakten Bewerbungstrends

Offene Stellen werden heute vor allem über die eigene Unternehmenswebseite, Internet-Stellenbörsen sowie die Agentur für Arbeit veröffentlicht, wie Ergebnisse der Monster Recruiting Trends 2020 zeigen. Auf Kandidatenseite liegen dagegen neben Internet-Stellenbörsen auch Karrierenetzwerke und Suchmaschinen weit vorne. Die Studienautoren empfehlen Unternehmen daher «sicherzustellen, dass gepostete Stellenanzeigen für Kandidaten auch über die genannten drei Kanäle gut auffindbar sind.»

Bei der Art der Bewerbung setzten Unternehmen laut Monster bevorzugt auf Bewerbungsformulare.  Die Kandidaten hingegen präferieren weiterhin die Bewerbung per E-Mail. Neuere Kanäle, etwa Bewerbungen über die App des Unternehmens oder die einer Internet-Stellenbörse, werden bislang nur von einem kleinem Teil der Unternehmen und Kandidaten bevorzugt. Allerdings erwarten die Unternehmen für Bewerbungen via Smartphone oder Tablet (Mobile Recruiting) künftig einen grösseren Zuwachs.