Ausgabe:

Mehr Fracht – weniger CO2

Mittwoch, 17. Juni 2020
Foto: Eckes-Granini Deutschland

Handelsunternehmen und FMCG-Logistiker erzielen schon seit Jahren Erfolge bei der Einsparung von CO2, obwohl das Transportaufkommen insgesamt gewachsen ist. Ein Best Practice dazu liefert Kaufland.

Dass der Spagat zwischen immer höherem Frachtaufkommen und gleichzeitig weniger CO2-Ausstoss machbar ist, bestätigt seit 2014 die Initiative «Lean and Green» von GS1 Germany. Sie bewertet und zertifiziert ökologisches Verantwortungsbewusstsein und konkrete Erfolge in Lager- und Logistikprozessen. Neben anderen Unternehmen wurde im Oktober 2019 Kaufland für sein kontinuierliches Engagement in puncto CO2-Reduzierung mit dem «Lean and Green 2nd Star» von GS1 ausgezeichnet.

Prozesse wirksam optimiert

Mit der Teilnahme an diesem Programm verpflichten sich die Unternehmen, ein Kooperationsprojekt und ein soziales Projekt umzusetzen. Kaufland hat sich für das Kooperationsprojekt «Fuhrparksharing» mit dem Fruchtsafthersteller Eckes-Granini und für das soziale Projekt «Wertstoffe Wertschätzen» von GreenCycle­ entschieden.

Der MARKANT Partner hat zum einen durch eine optimierte Zusammenarbeit zwischen Lager- und Transportbereich die Stellplatzauslastung optimiert. Zum anderen konnten in dem Projekt mit Eckes-Granini Deutschland und Meiberg Transporte die Warenlieferungen stärker gebündelt werden. Mit den so optimierten Touren vermieden die Partner 234 Leerkilometer pro Lieferung und ­reduzierten die CO2-Emissionen um knapp 40 Prozent pro Transport. Bezogen auf das Startjahr 2014 konnte Kaufland bis 2019 allein in der Logistik 30 000 Tonnen CO2 einsparen, eine Reduktion um 30 Prozent. Der Schlüssel dafür liegt in der Prozessoptimierung: Die Volumenauslastung der Lkw wurde durch verbesserte Beladung erhöht, die Zahl der Leerfahrten aufgrund von One-Way-Verkehr deutlich reduziert. Auch technische Massnahmen an den Distributionsstandorten wie die Umrüstung der Hallenbeleuchtung auf stromsparende LED sowie verbessertes Energie-Controlling haben laut Unternehmen «spürbar zur Reduktion des ­Klimagases CO2 beigetragen».

Umwege per App vermeiden

Prozessoptimierung war auch der Ansatz, mit dem drei weitere Lean-and-Green-Preisträger – die Spedition L.I.T., Lorenz Snack-World und Thermotraffic – eine CO2-Reduktion von mindestens ­20 Prozent erreicht haben. Dabei setzten sie auf unterschiedliche Massnahmen und Methoden. L.I.T. stellte zum Beispiel die Fahrzeugflotte auf Ultralight-Fahrzeuge um und sparte so rund sechs Liter Treibstoff auf 100 Kilometer. Der Spediteur nutzt ausserdem eine auf ihn zugeschnittene App, um Leer- und Umwegkilometer zu verringern. Lorenz Snack-World konnte durch die Umstellung auf Zentralbelieferung und Gespräche mit strategischen Kunden Kleinstsendungen und Sammelguttransporte signifikant reduzieren. Thermotraffic setzt auf ­Ladungsoptimierung per Doppelstockverladung: Durch die höhere Palettenanzahl auf den Fahrzeugen spart das Unternehmen Touren ein und reduziert so die CO2-Emissionen. Allein die ausgezeichneten Projekte der GS1-Initiative zeigen, welch vielfältige Potenziale überall entlang der Supply-Chain schlummern. Wenn ab 2021 der Ausstoss von Kohlendioxid in den Bereichen Wärme und Verkehr bepreist wird, erhält die CO2-Reduktion in Transport und Logis­tik für jedes Unternehmen strategische Bedeutung (s. INFO).

Info

Lean and Green
«Lean and Green» ist eine Not-for-Profit-Initiative und wurde ursprünglich von Connekt in den Niederlanden ins Leben gerufen. Sie hat zum Ziel, teilnehmende Unternehmen für ihre Erfolge bei der Reduzierung ihres CO2-Ausstosses in Lager- und Logistikprozessen zu zertifizieren. Wie die konkreten Aktionen zur Reduzierung aussehen, bleibt den Unternehmen überlassen. Angefangen beim Einsatz von modernen Telematiksystemen über Logistikkooperationen bis hin zu spritsparendem Fahren zählt alles, was das Klima schont. Der «Lean and Green Star» zeichnet die erfolgreiche Umsetzung des Aktionsplans zur Reduzierung der CO2-Emissionen aus, welchen die Unternehmen bei GS1 Germany einreichen. Der Aktionsplan wird auf Basis der von Lean and Green vorgegebenen Kriterien erarbeitet. «Immer mehr Unternehmen erkennen die strategische Relevanz, treten der Initiative Lean and Green bei und schätzen vor allem den Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten», heisst es bei GS1 Germany. Kaufland erreichte 2019 und Eckes-Granini 2020 mit dem «Lean and Green 2nd Star» die aktuell höchste Zertifizierungsstufe der Initiative. Sie ehrt eine relative CO2-Reduktion von mindestens 30 Prozent bezogen auf das logistische Volumen in einem Zeitraum von maximal acht Jahren.

Weichenstellungen für weniger CO2 in Transport und Logistik
Die Bundesregierung wird ab 2021 den Ausstoss von Kohlendioxid in den Bereichen Wärme und Verkehr bepreisen. Damit bekommen Massnahmen zur CO2-Reduktion in Transport und Logistik eine neue strategische Bedeutung. «Der neue Preispfad bis 2025 bringt uns schneller an das Klimaschutzziel der Bundesregierung heran», kommentiert Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer beim Handelsverband Deutschland HDE. Ziel müsse es aber sein, die Energiewende künftig komplett über den CO2-Preis zu finanzieren, denn das würde besonders wirksame Anreize für Investitionen in CO2-ärmere Technologien schaffen. Eine zusätzliche Finanzierungshilfe hat der Bund jetzt auch mit dem Corona-Hilfspaket aufgestellt, dass den Austausch älterer Lkw gegen neue Euro-VI-Modelle und die Anschaffung von Elektro-Lkw mit direkten Zuschüssen von bis zu
15 000 Euro pro Fahrzeug fördert.