Nachhaltig, gesund und funktionell

Montag, 28. Februar 2022
Foto: Koelnmesse GmbH/ Thomas Klerx

Sie ist wieder zurück – die ISM: Die Weltleitmesse für Süsswaren und Snacks  präsentierte Ende Januar die gesamte Produktpalette von Schokolade über Zuckerwaren, Knabbererzeugnissen bis hin zu tiefgekühlten Süsswaren und Frühstückssnacks auf rund 90 000 Quadratmetern in den Kölner Messehallen. Nachhaltigkeit und Gesundheit waren die dominierenden Trendthemen.

Nach zwei Jahren Pause meldete sich die Internationale Süsswarenmesse (ISM) in Köln Ende Januar mit 1085 Ausstellern aus 56 Ländern zurück. Mit knapp 90 Prozent (87 %) Auslandsanteil auf Ausstellerseite, so die ISM-Verantwortlichen, bewegte sich die Weltleitmesse für Süsswaren und Snacks auf starkem internationalem Niveau.

Als weitgehend stabil bezeichnet der Bundesverband der Deutschen Süsswarenindustrie (BDSI) die Branchenentwicklung 2021 in seiner ersten Schätzung: Wertmässig erzielte die Produktion mit rund 13,1 Milliarden Euro ein Plus von 2,2 Prozent, 3,9 Millionen Tonnen Süsswaren und Knabberartikel wurden hergestellt, 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Während die Branche mit neuen Produktkonzepten wie gewohnt ins Jahresgeschäft startet, verstellt die Datenlage allerdings den Blick auf ihre wirtschaftlich deutlich angespannte Situation und Herausforderungen historischen Ausmasses. Die Ursache, wie derzeit so oft, eine Folge der Corona-Pandemie.

Historischer Kraftakt
Das für die deutsche Süsswarenindustrie so wichtige Exportgeschäft konnte sich trotz Krise erholen: Insgesamt wurden schätzungsweise 2,3 Millionen Tonnen (+3,4 %) exportiert. Der Exportumsatz stieg in 2021 um 4,2 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro und erreicht damit das Niveau von 2019 vor der Corona-Pandemie. Deutlich abgenommen hat allerdings die Bedeutung des Vereinigten Königreiches als Exportmarkt durch drastisch gestiegenen logistischen wie bürokratischen Aufwand, gestiegene Kosten inklusive. Gemessen am Wert betrage der Anteil der Süsswaren ein Fünftel an den gesamten deutschen Ausfuhren der Lebensmittel ins Vereinigte Königreich, so Dr. Carsten Bernoth, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Süsswarenindustrie e. V. (BDSI). In 2021 ist das Geschäft mit Grossbritannien in der Menge um minus 3,7 Prozent und im Wert um minus sechs Prozent zurückgegangen. Mittlerweile, sagt Bernoth, drohen die Brexit-Folgen der deutschen Süsswarenindustrie langfristig zu schaden.

Im digitalen Wandel
Im Markt zeigt sich ein gespaltenes Bild: Selbst nach Lockdown und eingeschränkter Reisetätigkeit erreichen vor allem Hersteller im Premium-Segment in Shops der Innenstädte, Shopping-Malls, an Bahnhöfen oder Flughäfen noch nicht wieder das Umsatzniveau wie vor Covid-19, bilanziert ISM-Direktorin Sabine Schommer. Im Gegensatz dazu, waren und sind Hersteller mit überwiegendem Vertrieb über den LEH weniger von den Einschränkungen betroffen.
Im gemeinsamen Brancheninteresse steht, national wie international wettbewerbsfähig zu bleiben, die Kommunikation und Interaktion mit den Konsumenten zu stärken und zu intensivieren. Zu den wichtigsten Tools zählt hierfür die Digitalisierung, die auf mehreren Ebenen in der Süsswaren- und Snackbranche eine Rolle spielt. Das fängt bei Optimierungsmöglichkeiten in der Wertschöpfungskette, bei Herstellung oder Produktion an: «Denn die sich schnell verändernden Verbraucheransprüche fordern Unternehmen zunehmend heraus, individualisierte Produkte in kürzester Zeit und gleichbleibender Qualität zu produzieren. Der Schlüssel hierfür ist die Digitalisierung», sagt Dr. Carsten Bernoth. Sie versetze Unternehmen in die Lage, in einer komplett virtuellen Umgebung auf Basis eines «digitalen Zwillings» Produkte, Produktionsprozesse und Anlagen zu simulieren, zu testen und zu verbessern. So könnten etwa bei der Erstellung eines neuen Rezepts die Daten über die Inhaltsstoffe für ein neues Produkt unmittelbar auf das Label übertragen werden. Immer mehr Unternehmen setzen auch im Marketing auf digitale Lösungen, indem sie Produkte über Social Media  oder Virtual- und Augmented-Reality-Tools auf ihren Websites präsentieren, beobachtet Sabine Schommer. Auch Verpackungen werden zu Kommunikationsplattformen und vollständigen Datenträgern: «Sie profitieren von besserer Rückverfolgbarkeit, mehr Produktinformation sowie innovativen Möglichkeiten der Interaktion mit den Kunden.»

Trendvision 2022
Die Interaktion, der direkte Austausch mit Konsumenten steht bei zahlreichen Herstellern ganz oben auf der Trendliste für 2022. «The Voice of Consumer» nennen es die global agierenden Marktforscher von Innova Market Insights und führen diese Entwicklung unter ihren Top Ten Trends 2022.

Über unterschiedliche Medien im Dialog mit den Verbrauchern und offen für deren Anregungen und Ideen setzt etwa Cavendish & Harvey 2022 verstärkt auf die «Stimme der Verbraucher». Bereits wahrgenommen hat der Süsswarenhersteller als Folge der pandemiebedingten Einschränkungen den stärker entwickelten Wunsch nach Abwechslung und neuen Geschmackserlebnissen. Passend zur ISM wurde daher die Special Edition gefüllter «Mint Choco Drops» gelauncht, eine Kombination aus Pfefferminzhülle mit natürlichem Pfefferminzöl und belgischer Zartbitterschokoladenfüllung.

Auch bei den Salzigen Snacks wird sich nach Meinung von Nuss-Spezialist Kluth der Trend zu ausgefallenen Würzungen fortsetzen. Vorgemacht haben es die Snack-Nüsse im Oriental- und Ungarisch-Style der Marke Maryland. Aus dem Haus Kluth kommen süsse Nuancen hinzu, seit Januar gibt es unter anderem die Vanille-Cashews, schonend geröstet und mit Vanille und Blütenhonig veredelt.

Viele Hersteller, so Dr. Carsten Bernoth, BDSI, setzen auf pflanzliche Proteinquellen. Immer mehr Produkte enthalten dementsprechend etwa Hafer, Kürbiskerne, Soja, Linsen- oder Erbsenproteine. Auch Süsswaren mit verringertem Zuckergehalt zählt Bernoth wie in den Vorjahren zu den Produkttrends.

Natürlichkeit und Gesundheit beobachtet ISM-Direktorin Sabine Schommer als zwei der Trends, die auch als Folge langer Lockdowns und Social-Distancing-Massnahmen immer kaufentscheidender werden. Produkte mit gesundheitlichem Zusatznutzen bekämen daher einen regelrechten Schub. Das Bewusstsein für den Gehalt an Antioxidantien und die potenziellen Vorteile für die Immungesundheit von Snacks, etwa mit dunkler Schokolade und sogenannten Superfruits wie Granatapfel oder Goji-Beeren, werde zunehmen, sagt Schommer. Parallel dazu treibe die Popularität pflanzenbasierter Produkte und Inhaltsstoffe die Innovationen der Süsswaren- und Snackhersteller an, Zutaten wie Fruchtpulver, Nüsse und Vitamine aber auch botanische Extrakte kommen zum Einsatz. «Vor diesem Hintergrund läuft die Entwicklung neuer Süsswaren im Bereich des Clean Labelling auf Hochtouren.»

Noch stärker als bisher, plant Manner 2022 die Produkteigenschaften vegan und fair in den Fokus zu rücken. Damit spricht der Waffelspezialist aus Österreich eines der grössten Themen an, dass die Hersteller beschäftigt – Nachhaltigkeit. Unabhängig von zusätzlichen Kaufanreizen im Markt, spiele immer mehr das Vertrauen der Verbraucher in eine Marke eine Rolle.

Neben den Traditionssortimenten von Lambertz, mit denen trotz aller Problematiken in Logistik und Lieferketten in 2021 ein nach eigenen Angaben erfolgreicher Saisonabschluss erzielt werden konnte, sieht der Gebäckhersteller neue Potenziale vor allem im Segment der Jahresgebäcke. Dazu zählen unter anderem vegane Alternativen und die Erweiterung im Bio-Bereich.

Ebenso arbeitet Wicklein an der Ausweitung biozertifizierter Produkte, die ausschliessliche Verwendung von Schokolade aus Fairtrade gehandelten Kakaobohnen ist in der Nachhaltigkeitsoffensive des Unternehmens längst inbegriffen. Nachhaltiges Engagement beschränkt sich seit geraumer Zeit längst nicht mehr auf den Einsatz von Bio-Qualität, zertifizierten Rohstoffen oder sozialverträglichen Herstel-lungsprozessen, mittlerweile stehen die Verpackungen ebenso auf dem Prüfstand: «Viele Unternehmen testen vermehrt Verpackungen auf Papier- oder Pflanzenbasis oder erhöhen den Recyclinganteil in ihren Sekundärverpackungen», beurteilt Bernoth vom BDSI die Nachhaltigkeitsanstrengungen der Branche.

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