Immer weniger Plastik

Montag, 25. April 2022
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Quer durch die Sortimente arbeiten Vertragslieferanten der Markant an nachhaltigen Verpackungen mit weniger Plastik. Die Wege dahin führen oft durch technisches Neuland. Beispiele aus der Praxis.

Wasch- und Reinigungsmittel, Körperpflege- und Kosmetikprodukte sowie zahlreiche Haushaltshelfer sind aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Um diese Produkte sicher zu verpacken, werden häufig Kunststoffe eingesetzt. Denn Verpackungen haben grundsätzlich eine Vielzahl an Funktionen zu erfüllen: Sie müssen die Produkte während des Transports und der Lagerung schützen sowie eine problemlose Dosierung und Anwendung ermöglichen. Die Hersteller der Kosmetik-, Wasch- und Reinigungsmittelindustrie unternehmen nach Auskunft ihres Verbandes IKW bereits viel, um den Verpackungsverbrauch so weit wie möglich zu reduzieren. Wo immer möglich, werden leichtere Verpackungen angestrebt. Bei Wasch- und Reinigungsmitteln konnte der Verpackungsaufwand pro Produkteinheit insbesondere durch Produktkonzentrierungen deutlich reduziert werden. Aber auch bei kosmetischen Produkten haben teilweise Refill-Systeme und Konzentrate, die kleinere Behälter erfordern, für zusätzliche Einsparungen an Verpackungsmaterial gesorgt.
Darüber hinaus ist der Einsatz von gebrauchten Kunststoffen nicht nur für Verpackungen eine sinnvolle Strategie, sondern grundsätzlich bei allen plastikbasierten Haushaltsprodukten wie zum Beispiel Aufbewahrungsboxen, Frischhaltefolien oder Müllbeuteln. Schon seit vielen Jahren nimmt Deutschland eine Vorreiterrolle beim Recycling von Kunststoffen ein – und die Industrie geht viele neue Wege, um das Plastikaufkommen weiter zu reduzieren.

In grossen Schritten voran
So hat Melitta sich das Ziel gesetzt, in seinem Geschäftsbereich Haushaltsprodukte bereits im Jahr 2025 ausschliesslich recycelte oder erneuerbare Rohstoffe für die Produkte und Verpackungen der Marken Toppits- und Swirl-Müllbeutel zu verwenden. «Dazu müssen wir die Lieferketten, aber zum Teil auch die Produkte selbst neugestalten», skizziert ein Unternehmenssprecher die Komplexität der Aufgabe. Wichtig sei vor allem auch, dass die Qualität und der Nutzungskomfort für die Kunden «immer gleich hoch bleiben». Im Rahmen der Mission «100 % Circular» sind die Toppits-Verantwortlichen ihrem Ziel schon einen grossen Schritt nähergekommen. Die Frischhaltefolie, Zipper Beutel, Eiskugelbeutel, SafeLoc Beutel, Gefrierbeutel, SafeLoc Sandwich-Beutel sowie SafeLoc Obst- und Gemüsebeutel werden seit Februar 2021 zu 35 Prozent mit recycelten Ressourcen hergestellt, das heisst unter Verwendung von 35 Prozent aufbereiteten Reststoffen. In diesem Jahr geht es einen Schritt weiter: Der Anteil an recycelten Ressourcen in der Produktion der genannten Produkte wird auf 70 Prozent erhöht. Die ersten Toppits-Artikel mit erhöhtem Recycling-Anteil fliessen seit März 2022 in den Handel ein. Bis Mitte des Jahres wird das optimierte Sortiment deutschlandweit erhältlich sein.

Die Qualität darf nicht leiden
Eine nachhaltige Müllentsorgung beginne in den privaten Haushalten bereits mit der Wahl der richtigen Müllbeutel, heisst es bei Melitta mit Blick auf die Marke Swirl, die 2021 einem «grundlegenden Relaunch in punkto Nachhaltigkeit» unterzogen wurde. Bei diesen Produkten für das Müllentsorgen spielt die Qualität – namentlich Reissfestigkeit und Dichte – eine wichtige Rolle. Diese konnten auch bei der neuen Rezeptur der Swirl-Müllbeutel mit 80 Prozent recyceltem Kunststoff aufrechterhalten werden. Mindestens die Hälfte des verwendeten Recycling-Materials wird dabei aus Post-Consumer-Recycling Material, zum Beispiel aus Verpackungsabfällen, gewonnen. Wer seine Entsorgung besonders nachhaltig gestalten möchte, kann zum neuen Swirl-Öko-Müllbeutel greifen: Dieser besteht bereits jetzt aus 95 Prozent Post-Consumer-Recycling-Material, wovon mindestens die Hälfte aus haushaltsnahen Abfällen stammt (z. B. gelbe Tonne/gelber Sack). Besonders innovativ sei hier das Zugband, welches aus Post-Consumer-Abfällen hergestellt wird.

Weltweite Fortschritte
Henkel setzt sich – neben anderen Massnahmen – aktiv für den Aufbau einer echten Kreislaufwirtschaft ein, arbeitet mit verschiedenen Partnern entlang der Wertschöpfungskette zusammen und beteiligt sich an internationalen Initiativen wie der «Plastic Bank» und der «New Plastics Economy» der Ellen MacArthur Foundation. Als eines der wichtigsten Ziele sollen bis 2025 rund 100 Prozent der Henkel-Verpackungen recycelbar oder wiederverwendbar sein. Ende 2021 lag der Anteil bereits bei 86 Prozent. Darüber hinaus arbeitet Henkel kontinuierlich daran, bis 2025 den Anteil an recyceltem Material in Verpackungen auf mehr als 30 Prozent für alle Kunststoffverpackungen seiner Konsumgüterprodukte weltweit zu erhöhen. In Deutschland werden viele Flaschenkörper der Henkel-Produkte schon teilweise oder vollständig aus Rezyklat hergestellt. So bestehen die Flaschenkörper der Marke Pril und die Sprühflaschenkörper der Reiniger wie Sidolin, biff oder Bref Power komplett aus recyceltem PET (r-PET). Die Flaschenkörper von Perwoll werden seit Anfang dieses Jahres aus 50 Prozent Rezyklat produziert. Auch der Flaschenkörper der Variante Persil Green Power wird aus 50 Prozent recyceltem Plastik gefertigt. Die Boxen von Persil 4in1-Discs und der Perwoll-Caps bestehen aus sortenreinem Kunststoff. Sobald die Caps beziehungsweise Discs aufgebraucht sind, können Karton und Box getrennt und separat dem Recycling zugeführt werden.

Soziale Verantwortung
In der «Pro Nature»-Produktreihe von biff und Sidolin sowie in weiteren Produktverpackungen von Pril, Vernel und bei der Haar- und Körperpflegemarke «Nature Box» setzt Henkel sogenanntes «Social Plastic» ein. Der Partner Plastic Bank baut Recycling-Ökosysteme in Ländern auf, in denen es noch keine ausreichende Infrastruktur für die Abfallentsorgung gibt. Die Sammler erhalten eine Vergütung für die von ihnen gesammelten Materialien, die dazu beiträgt, die Grundbedürfnisse ihrer Familien zu decken. Der gesammelte Kunststoff wird als «Social Plastic» aufbereitet und kann als Teil einer geschlossenen Lieferkette wieder in Produkte und Verpackungen integriert werden. Im Jahr 2021 wurden 723 Tonnen Social Plastic bei Henkel verarbeitet. Seit Beginn der Partnerschaft im Jahr 2017 waren es insgesamt mehr als 1480 Tonnen.

Recycling

10-Millionen-Tonnen-Ziel
Die von der EU-Kommission gegründete «Circular Plastics Alliance» (CPA) hat das Ziel, den EU-Markt für recycelte Kunststoffe bis 2025 auf zehn Millionen Tonnen zu steigern. Die deutsche IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen zählt zu den Unterzeichnern. Die IK hat sich das Ziel gesetzt, in Deutschland bis 2025 eine Millionen Tonnen Rezyklat und 90 Prozent Recyclingfähigkeit von Haushaltsverpackungen zu erreichen. Eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) zeigt, dass der Anteil recycling- oder mehrwegfähiger Haushaltsverpackungen aus Kunststoff bereits seit 2016 von 75 Prozent auf 81 Prozent im Jahr 2020 gestiegen ist.

Fortschritte

97 % weniger Plastik
Henkel setzt bei seiner Marke «Love Nature» Flaschenkörper aus 100 Prozent r-PET ein und versteht sich als «Vorreiter und Inkubator». Die Flip-Top-Verschlüsse bestehen aus 50 Prozent Post-Consumer-Rezyklat. Und dank einer speziellen Klebstofftechnologie des Labels kann die Flasche wieder vollständig recycelt werden. Seit April dieses Jahres werden unter der Marke «Love Nature» Waschmittel als sogenannte «Wash Bars» gelauncht. Das Waschmittel ist so stark komprimiert, dass ein knapp 30 Gramm leichter Tab für eine Ladung von 4,5 Kilogramm Wäsche ausreicht. Diese Verpackung spart 97 Prozent Plastik pro Waschladung im Vergleich zur Flasche des Love-Nature-Flüssigwaschmittels ein.