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Bio geniesst grosse Nachfrage

Dienstag, 03. April 2018
Fotolia (Samokhin Roman)

Auf den Bio-Märkten ist vieles in Bewegung. Die Nachfrage steigt, das Produktangebot wird immer vielfältiger. Für neue Impulse am POS sorgt auch die Fachmesse Biofach.

Im Februar versammelte die Biofach in Nürnberg wieder die internationale Branche für Bio-Lebensmittel in Nürnberg – und zog eine positive Bilanz. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr erstmals mehr als zehn Milliarden Euro (+ 5,9%) mit Bio umgesetzt, und jeder zehnte Hof wirtschaftet mittlerweile biologisch, so der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Als Messe-Trends kristallisierten sich in diesem Jahr Öl-Spezialitäten, Algen, Vitaminisierung von Lebensmitteln und globale Schwerpunktprodukte in regionaler Ausprägung heraus. Dazu zählt zum Beispiel Quinoa-Mehl aus deutschem Anbau, dessen traditionelle Herkunftsregion die Anden sind. 

Quinoa vom Acker nebenan

Zu den Profiteuren gehören klar der Lebensmittelhandel und die Drogeriemärkte, die ihre Umsätze um 8,8 Prozent überdurchschnittlich stark auf 5,93 Milliarden Euro ausbauen und ihren Marktanteil auf 59 Prozent steigern konnten, wie Marktforscher anlässlich der Biofach bilanzierten. Stärkster Treiber des Umsatzwachstums am Bio-Markt waren die Milch- und Molkereiprodukte, Fleisch sowie das Trockensortiment. Besonders Bio-Rindfleisch ist bei den Kunden beliebt und wird auch vom Handel immer stärker gelistet, häufig als Hackfleisch. Die beiden grossen Produktgruppen Obst und Gemüse zeigten 2017 ebenfalls Umsatzwachstum, wobei sich laut Marktforschern die Sortimentsausweitung der Discounter auswirkte. Auch sorgten höhere Preise im Vergleich zum Vorjahr aufgrund verregneter Ernten oder eines knappen Angebots etwa bei Fleisch für ein Umsatzplus.

Aber die Branche steht auch vor vielen Problemen und muss auf allen Ebenen an zukunftsfähigen Lösungen arbeiten, um die Versorgung zu verbessern. Beispiel Obst: Die meisten gängigen Marktsorten erfordern einen intensiven Pflanzenschutz, der mit Bio-Mitteln sehr aufwendig ist und oft keine ausreichende Ertragssicherheit gewährleistet. Deshalb ist die Entwicklung neuer Sorten, die vorzügliche Qualität mit bester Eignung für den Bio-Anbau vereinen, von grosser Bedeutung. Experten rechnen damit, dass innerhalb der nächsten Jahre erste, gängige Sorten aus der Bio-Obstzüchtung auf den Markt kommen werden. 

Züchtung neuer Rassen nötig

Auch in der Tierzucht ist eine für den Bio-Landbau eigenständige Züchtung essentiell. Die biologische Rinderzucht konzentriert sich deshalb auf gute Weidefähigkeit, Gesundheit und Langlebigkeit. Bei Hühnern arbeitet die Branche intensiv und erfolgreich an Alternativen zu bestehenden Methoden. Erste züchterische Ansätze, das Töten von männlichen Küken in der Bio-Branche vollständig zu vermeiden, realisiert unter anderem die ökologische Tierzucht gGmbH (ÖTZ), eine Initiative der Anbauverbände Bioland und demeter. Ziel der ÖTZ ist es, ein Huhn zu züchten, dass sich zum Eierlegen (Henne) und zur Mast (Hahn) eignet.

Info

Erzeugerpreise steigen

2017 beobachtete die Marktforschung fast durchweg höhere Erzeugerpreise für Bio-Produkte. Dabei entkoppelten sich die Bio-Erzeugerpreise immer mehr vom konventionellen Markt und folgten einem eigenen Marktgeschehen. Bio-Getreide und Bio-Brotweizen wurden bei höherer Nachfrage teurer. Besonders knapp und teuer waren in dieser Saison Bio-Roggen und -Hafer. Mit Öko-Schlachttieren erzielten Bio-Bauern deutlich stabilere und höhere Preise als ihre konventionellen Kollegen. Einzig die Erzeugerpreise für Bio-Kartoffeln lagen unter dem Niveau der Vorjahre. 

(Quelle: Arbeitskreis Biomarkt auf Basis von Daten der Marktforschungsinstitute GfK, Nielsen, bioVista und Klaus Braun Kommunikationsberatung))

 

Statement

Andreas Englmeier, Bereichsleiter Handelsmarken, Rapunzel Naturkost

«Der Erfolg und die stetig wachsende Nachfrage nach Bio-Produkten kommen nicht von ungefähr. Der moderne Konsument hinterfragt immer mehr, woher seine Nahrungsmittel stammen, von wem und wie diese angebaut werden und welchen gesundheitlichen Nutzen diese für ihn und seine Familie haben. Artikel mit dem EU-Bio-Siegel alleine rufen kaum mehr große Begeisterungsstürme hervor. Der mündige Verbraucher erwartet weitere Mehrwerte. Hier geht es v.a. um die Klassiker "Fair Trade“, „aus handwerklicher Produktion“ und „Vegan bzw. Frei von“. Vermehrt erreichen uns auch Fragen nach der Transparenz in der Lieferkette, Rückverfolgbarkeit und unverarbeiteten Zutaten. Deshalb ist es von zunehmender Bedeutung nicht nur Rohwaren mit Bio-Zertifikat zu kaufen, sondern die komplette Wertschöpfungskette bis hin zum Bauern zu kennen. In qualitativ hochwertigen Bio-Produkten wird auch weiterhin echte Vanille eingesetzt und nicht mit beispielsweise alkoholbasiertem Vanilleschotenextrakt gearbeitet.»

 

 

 

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